Grundsätzlich versuchen Termingeschäfte vorherzusagen, welchen Wert ein Gut oder ein Index zu einem bestimmten zukünftigen Zeitpunkt haben wird. Spekulanten am Terminmarkt können unterschiedliche Strategien verfolgen, um von steigenden oder fallenden Preisen zu profitieren. Die Gebräuchlichsten sind bekannt als langfristige Strategien, Leerverkäufe oder Spreads.

Langfristige Strategien

Wenn ein Anleger eine langfristige Strategie verfolgt – also ein Geschäft eingeht, indem er sich verpflichtet, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis zu erwerben und zu erhalten – bedeutet dies, dass er oder sie von einem erwarteten zukünftigen Preisanstieg zu profitieren.

Nehmen wie beispielsweise an, dass Joe der Spekulant mit einer Ausgangsmarge von 2.000 Dollar im Juni einen Septemberkontrakt von Gold bei 350 Dollar je Feinunze erwirbt, im Gesamtumfang von 1.000 Unzen oder 350.000 Dollar. Indem er im Juli kauft, verfolgt Joe eine langfristige Strategie unter der Prämisse, dass der Goldpreis bis Ablauf des Termingeschäfts im September steigen wird.

Bis August steigt der Goldpreis um 2 Dollar auf 352 Dollar je Feinunze und Joe entschließt sich zum Verkauf des Kontrakts, um einen Profit zu erzielen. Das Geschäft über 1000 Unzen wäre nun 352.000 Dollar wert, womit der Profit sich auf 2.000 Dollar belaufen würde. Dank der sehr großen Hebelwirkung (man bedenke, dass die Ausgangsmarge bei 2.000 Dollar lag), hat Joe mithilfe der langfristigen Strategie einen Profit von 100% erzielt!

Selbstverständlich würde für den Fall, dass der Goldpreis je Unze um 2 Dollar gefallen wäre, das Gegenteil zutreffen. Der Spekulant hätte dann einen 100%igen Verlust erzielt. Man darf außerdem nicht vergessen, dass im Lauf der Zeitspanne, in der Joe den Kontrakt gehalten hat, die Marge auch unter das Niveau des Mindesteinschusses gefallen sein könnte. Folglich hätte er in diesem Fall auf mehrere Nachschussforderungen reagieren müssen, was zu einem sogar noch größeren Verlust oder geringeren Profiten geführt hätte.

Leerverkäufe

Ein Spekulant, der auf Leerverkäufe setzt – also ein Termingeschäft eingeht und sich zu Verkauf und Lieferung eines Basiswerts zu einem vereinbarten Preis verpflichtet – möchte von sinkenden Preisniveaus profitieren. Indem man aktuell hochpreisig verkauft kann der Kontrakt zukünftig für einen niedrigeren Preis zurückgekauft werden, wodurch ein Gewinn für den Spekulanten entsteht.

Nehmen wir an, Sara hat etwas recherchiert und ist zu dem Schluss gelangt, dass der Ölpreis über die kommenden sechs Monate fallen würde. Sie könnte heute, also im November, einen Kontrakt zum gegenwärtigen höheren Preis verkaufen und diesen innerhalb der kommenden sechs Monate zurückkaufen, nachdem der Preis gefallen ist. Diese Strategie wird als Leerverkauf bezeichnet und kommt zum Einsatz wenn Spekulanten versuchen, von schrumpfenden Märkten zu profitieren.

Man gehe davon aus, dass Sara mit einer Einschusszahlung in Höhe von 3.000 Dollar einen Mai-Rohölkontrakt (ein Kontrakt entspricht 1.000 Barrel) zum Preis von 25 Dollar je Barrel verkauft hat, in einem Gesamtumfang von 25.000 Dollar.

Bis März war der Ölpreis bei 20 Dollar je Barrel angekommen und Sara war der Meinung, es sei an der Zeit, ihre Profite mitzunehmen. Also kaufte sie den Kontrakt zurück, der mittlerweile bei einem Wert von 20.000 Dollar lag. Mithilfe dieses Leerverkaufs erzielte Sara einen Profit von 5.000 Dollar! Doch wiederum gilt, wenn Sara's Recherche nicht tiefgründig genug gewesen wäre und sie eine andere Entscheidung getroffen hätte, hätte ihre Strategie auch zu erheblichen Verlusten führen können.

Spreads

Wie bereits ausgeführt wurde, handelt es sich bei langfristigen Strategien oder Leerverkäufen um Positionen, bei denen es um einen gegenwärtigen Kauf oder Verkauf eines Kontrakts geht, um von steigenden oder fallenden Preisen in der Zukunft profitieren zu können. Eine weitere unter Terminhändlern weit verbreitete Strategie wird als „Spread“ bezeichnet.

Bei Spreads geht es vor allem darum, von der Preisdifferenz zwischen zwei unterschiedlichen Kontrakten desselben Guts zu profitieren. Der Spread wird als eine der konservativsten Formen des Tradens am Terminmarkt betrachtet, da sie weitaus sicherer ist als der Handel mit langfristigen oder 'leeren' Terminkontrakten.

Es gibt viele verschiedene Arten von Spreads, darunter:

  • Calendar Spread: Hier geht es um den gleichzeitigen Erwerb und Verkauf zweier Terminkontrakte desselben Typs mit identischem Preis aber unterschiedlichen Fälligkeitsdaten.
  • Intermarket Spread: Hier verfolgt der Investor bei Kontrakten desselben Monats in einem Markt eine langfristige Strategie und setzt in einem anderen Markt auf Leerverkäufe. Der Anleger könnte sich zum Beispiel für Short June Wheat (Leerverkauf) und Long June Pork Bellies (langfristige Strategie) entscheiden.
  • Inter-Exchange Spread: Dies ist jede beliebige Form von Spreads, bei der jede Position an unterschiedlichen Terminbörsen angelegt wird. Der Investor könnte zum Beispiel eine Position am Chicago Board of Trade (CBOT) und eine am London International Financial Futures and Options Exchange (LIFFE) erwerben.
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